Eine neue Rolle und Aufgabe für Menschen mit Migrationsgeschichte

Das Projekt

Drei Gründe führten dazu, dass wir uns zu diesem Projekt entschieden haben.

1. Bedarf

Laut der Basisdaten des Landesjugendamtes Rheinland von 2010 fehlen alleine im Rheinland für etwa 550 Kinder Pflegefamilien. Etwa 20% dieser Kinder haben eine Migrationsgeschichte. Aus unseren eigenen Arbeitsbezügen wissen wir, dass viele örtliche Jugendämter im Ruhrgebiet dringend Familien mit Migrationsgeschichte suchen, die bereit sind, ein Pflegekind aufzunehmen.

2. Integration unterstützen

Mit der Übernahme der Pflegefamilienrolle durch Menschen mit Migrationsgeschichte sehen wir eine Möglichkeit, deren gesellschaftliche Integration und Partizipation weiter zu fördern. Indem sie sich als Pflegeeltern einbringen, werden sie zu mitgestaltenden Akteuren der Kinder- und Jugendhilfe.

Die Diskrepanz zwischen statistisch belegbarem Bedarf nach Pflegepersonen mit Migrationsgeschichte und ihrer tatsächlichen Anzahl führt dazu, dass Kinder in der Regel nicht kultursensibel untergebracht werden können. Dadurch sehen sich die Jugendämter mit dem Vorwurf konfrontiert, sie würden muslimische Kinder „christianisieren“ wollen. Das Projekt will hier mit gezielter Informations- und Aufklärungsarbeit gegen diese Vorwürfe und Haltungen wirken, um so das Integrationsklima weiter zu verbessern.

3. Informationsdefizit auf Seiten der Familien und der freien und öffentlichen Träger

Somit verstehen wir unsere Arbeit als einen Beitrag für:

  • die Sensibilisierung und Gewinnung von Menschen mit Migrationsgeschichte für die Pflegekinderhilfe
  • die Informationsvermittlung über die Strukturen der Pflegekinderhilfe
  • den Abbau von Ängsten und Vorbehalten gegenüber den Jugendämtern
  • die Sensibilisierung der Träger für zukünftige Pflegefamilien mit Migrationsgeschichte
  • einen zielführenden Dialog zwischen den Beteiligten

Ein weiteres Ziel des Modellprojektes, welches wissenschaftlich von Herrn Prof. Dr. K. Wolf (Universität Siegen) begleitet wird, ist die Gewinnung fachlicher Erkenntnisse zur Akquise von Pflegefamilien mit Migrationsgeschichte. Hierzu gehören Zugangswege, Verfahren, Methoden sowie Qualifizierungsbedarfe der Zielgruppe. Zum Abschluss des Vorhabens sollen Kriterien zur Gewinnung und Sensibilisierung von Pflegefamilien mit Migrationsgeschichte erarbeitet und der Fachwelt präsentiert werden, um die Pflegekinderhilfe weiterzuentwickeln.

Viele Familien mit Migrationsgeschichte haben wenig oder keine Informationen zum Pflegefamilienwesen in Deutschland. Sowohl die Jugendämter als auch die klassischen Träger im Bereich der Pflegekinderhilfe haben es schwer, die Migrantenfamilien zu erreichen. Hier möchten wir sensibilisieren und aufklären. Als Träger mit etablierten interkulturellen Kompetenzen sieht sich PLANB Ruhr e.V. in der Lage, diese Aufgabe zu übernehmen und diesen Prozess im Ruhrgebiet aktiv mitzugestalten.

2. Projektverlauf

Das PemM-Team hat für die drei Projektjahre folgende Arbeitsschritte geplant:

1. Bestandsaufnahme

Zunächst erfolgt die breite Ansprache, Information und Motivation der Zielgruppe im Ruhrgebiet. Jugendämter (Pflegekinderdienste), freie Träger und Migrantenselbstorganisationen bilden hierbei drei Zielebenen, die wir als untereinander zu vermittelnde Instanzen erreichen wollen. Wir ermitteln anhand einer Befragung der freien und öffentlichen Träger, welche Versuche der gezielten Ansprache es bislang gegeben hat und wie erfolgreich diese waren. Zeitgleich wird eine Umfrage unter Mensche n mit Migrationsgeschichte durchgeführt, um auch von dieser Gruppe eine repräsentative Aussage darüber zu erhalten, warum sie sich bislang für oder gegen eine Aufstellung als Pflegefamilie entschieden haben. Die Ergebnisse präsentieren wir interessierten Trägern im Rahmen einer zu bildenden Arbeitsgruppe.

2. Konzeptentwicklung

Diese Arbeitsgruppe entwickelt Kriterien zur gezielten Ansprache von Menschen mit Migrationsgeschichte. Daraus erarbeitet PemM Handlungsempfehlungen zur Ausrichtung und Positionierung der Träger, zur Durchführung von Informationsveranstaltungen und zur Umsetzung der Öffentlichkeitsarbeit.

3. Information und Vermittlung von Pflegeeltern-BewerberInnen mit Migrationsgeschichte

Die gewonnenen Erkenntnisse fließen fortlaufend in die Konzeptionierung unserer Informationsveranstaltungen ein, zeitgleich können die erarbeiteten Handlungsempfehlungen und Materialien für die Akquise von den beteiligten Trägern der Projektgruppe genutzt und so auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft, angepasst und optimiert werden.

Anschließend vermitteln wir durch PemM erreichen zukünftige Pflegeeltern an die kooperierenden Träger. Dabei verfolgen wir das Ziel, dass diese für die Familien wohnortnah liegen, um eine bestmögliche Begleitung gewährleisten zu können.

4. Evaluation und Veröffentlichung

Abschließend evaluieren wir unsere Arbeit und veröffentlichen den Prozess und die Ergebnisse des Projektes in Form einer Dokumentation, um so einen nachhaltigen Wissenstransfer an alle in der Pflegekinderhilfe tätigen Träger ermöglichen

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