Flüchtlingsfest mit Herz

Foto: Dietmar Wäsche

Schöner Artikel aus der WAZ über das Sommerfest für Flüchtlinge von PLANB.

Der Verein Plan-B Ruhr lädt Bewohner der vier von ihm betreuten Unterkünfte ein. Die jungen Leute blühen auf beim Fußball. DJK Viktoria bestärkt sie.
Es ist nur der Sportplatz der DJK Viktoria am Rand der Bochumer Innenstadt, aber für Kalechi fühlt es sich wie die Siegerehrung der Europameisterschaft an: „Yallah“, ruft er, bis seine ganze Mannschaft auf dem Siegerpodest steht.
Die Musik läuft, das junge Team tanzt, die Flüchtlinge vom Standort Akademiestraße haben das Fußballturnier gewonnen. „Und wer weiß, welche sportlichen Erfolge noch kommen, denn unter den Geflüchteten befinden sich echte Fußballtalente“, meint Wolfgang Havranek, Vorsitzender der DJK Viktoria.
Aber wie eigentlich immer beim Sport geht es beim Sommerfest der Vereine Plan-B Ruhr und DJK Viktoria natürlich nicht nur ums Gewinnen, sondern darum, den Geflüchteten aus den Übergangsheimen, besonders den sportbegeisterten Jugendlichen, eine Alternative zum öden Alltag in den Unterkünften zu bieten.
Und das heißt: Fleisch frisch vom Grill, Geselligkeit und ein kleines Fußballturnier zwischen Teams aus den jeweiligen Unterkünften. Gülseren Çelebi, Vorstandsvorsitzende bei Plan B, kennt ihre Jungs eigentlich ganz gut, aber: „Heute erlebe ich sie ganz anders, so befreit“, sagt sie. Rund 200 Leute sind zum Fest auf den Sportplatz am Lohring gekommen, der Großteil von ihnen aus den vier von Plan B betreuten Unterkünften Kolleg-, Humboldt-, Max-Greve- und Akademiestraße.
Junge Menschen mit meist traumatischen Erfahrungen von Krieg, Hunger und nicht zuletzt dem beschwerlichen Weg nach Europa blühen beim Sport auf einmal richtig auf – Wolfgang Havranek kennt das Phänomen sehr gut. Der Vorsitzende der DJK Viktoria ist ein Fußballtrainer, wie er im Buche steht. „Und wenn du noch ein paar Jungs kennst, die kicken können – bring sie doch mit“, verabschiedet er sich von einem der jungen Männer. Für ihn gilt: „Die Weltsprache Nummer eins ist Fußball – und die beherrscht jeder nach kurzer Zeit.“
Wer viel Zeit hat, umso besser – und das trifft auf viele junge Geflüchtete zu. „Für viele ist die einzige Abwechslung Fußball. Und auch die einzige Chance, sich als junger Kerl zu beweisen“, so der Trainer. Beim Training bleibt’s aber nicht – zumindest nicht bei der DJK Viktoria, dessen halbe A-Jugend inzwischen aus Neuankömmlingen besteht. Mit seinen „Jungs“, wie Havranek sie nennt, geht er auch zu Ämtern und Ärzten, gibt Hilfestellung, wo er eben kann. „Unser Ziel ist es, über den Fußball hinaus zu vernetzen.“
Kalechi aber hat zumindest in diesem Augenblick nur Fußball im Kopf. Warum auch nicht, eben hat sein Team von der Akademiestraße in letzter Minute das rettende 1:0 gemacht. Für ihn ist klar: „Mein Traum ist es, irgendwann mal bei einem großen Fußballteam zu spielen“, schwärmt er. „Und dafür trainiere ich jeden Tag.“

Dominik Lenze
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